Saison April - November

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Nach den Tagen in Rapallo gäbe es natürlich über einige kulinarische Highlights zu berichten, denn an einer grossen Auswahl an guten Restaurants fehlt weder in Rapallo und noch weniger in Genua. Alle zu erwähnen, würde an dieser Stelle zu weit führen, es gab sie aber schon die einfachen und guten Geschmacks-Explosionen. Erwähnenswert wäre z.B. das Cotoletta Genovese, das in einer aromatischen Panade aus Semmelbröseln verührt mit Parmesan, Kräutern und Zitronenzest aufgepaniert und in Olivenöl knusprig goldbraun gebraten wird. Dazu passt vortrefflich ein frischer Salat und ein Rossese di Dolceacqua, das ikonische Rotwein-Flaggschiff aus der Region.

kotelett

Noch ein Wort zu Genua, eine stark unterschätzte Perle Liguriens. Von Zürich aus direkt mit dem Zug zu erreichen, lohnt sich ein Wochenendausflug allemal. Pesto Genovese geht hier in jedem Fall als Lebensstil durch, z.B. stylish als Streetfood auf einer noch warmen Focaccia. Und ja, der grüne Zauber aus Knoblauch, Basilikum, Petersilie, Parmesan, Olivenöl und Pinienkernen macht das Flanieren in den Caruggi, den engen Labyrinth-Gassen von Genua, zu einer weniger sportlichen Disziplin als erwartet. Neben den bekannten Wahrzeichen wie, der Porto Antico, die Kathedrale oder der Leuchturm hier noch ein letzter Tipp: Besuch des Mercato Orientale MOG, wo es sich lohnt pünktlich morgens um 07:30 bei Toröffnung vorbeizuschauen und das organisierte Chaos der Händler beim Bereitmachen der Stände zu beobachten.

markt

Nach fast zwei Wochen relaxen in einem wunderschönen Hotel, inklusive Besuch aus Zürich, habe ich der Bici Nera wieder etwas Auslauf gegönnt und die letzte Etappe der Grand Tour Italia in Angriff genommen. Es tut gut nach vierzehn Tagen relaxen wieder den Fahrtwind um die Ohren zu spüren und die Story der Grand Tour Italia weiter zu schreiben mit dem Ziel am Schluss mehr Anekdoten gesammelt zu haben als ich Tortellini im Vorratsschrank habe.

pool

Die Strasse nach Albenga zieht sich, die Aussicht glitzert wie frisch geölte Speichen aber dieses Mal bin ich nicht alleine unterwegs, mein Sohn begleitet mich auf dieser Ehrenrunde der Grand Tour. Die Küste begleitet uns weiter und ich denke mir: Wenn die Welt eine Pausen-Option hätte, ich würde sie hier an der ligurischen Küste wählen. Aber nein, weiter geht’s, Richtung San Remo, mit einem Schulterzucken, das mehr Charme hat als jeder LinkedIn-Beitrag.

Die Route nach Sanremo führt über den Radweg „Riviera dei Fiori“, die ehemalige alte Bahnlinie Genua-Ventimiglia, die sich als ideale Pedalbahn entpuppt: breiter Asphalt, Meerblick, und die ligurische Fauna, die sich fragt, wer hier eigentlich die Sonnenbrille trägt – ich oder die Möwen. Es geht durch ehemalige Bahntunnel, bunt ausgeleuchtet – das Radfahren fühlt sich hier an wie in einer Wellness-Oase, inklusive Wellnes-Sound. Wer braucht schon Spa, wenn man durch Tunnel fährt, in denen die Wände Geschichten von vergangenen Bahnjahren pfeifen?

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Jetzt wird es offiziell kosmopolitisch: Grenzübergang nach Frankreich. Beim Zöllner kurz nachgefragt, ob er das Zielfoto der Grand Tour machen könne? Kein Problem meint der Hüter der Grenze und schiesst das letzte Foto dieser Berichtsserie. Dann Zieleinfahrt in Menton: die Franzosen kochen eben auch oder erst recht ausserhalb von Strandbuden und Strassencafés exzellentes Essen. Zur Vorspeise eine Fois Gras bestellt, gefolgt von Gambas à la Persillade mit Begleitung von einem weissen Alvarinho. Und man stellt fest, die Grenze, die Italien und Frankreich trennt ist nur ein Zungenkuss der Sprache: Von „una Birra media“ zu „une grande Biere“ – die beiden Sätze harmonieren wie mein neuer Wegbegleiter und ich auf den letzten Metern der Tour entlang vom Lungo Mare oder eben vom Front de Mer.

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Fazit der neunten und finalen Etappe der Grand Tour: Die letzten Tage am ligurischen Meer fühlen sich an wie die letzte Etappe der Tour de France – alles ist entschieden, niemand drängt mich zum Sprintende. Es geht gemütlich dahin, mit dem Ziel, die Grenze nach Frankreich nicht mit einem falschen Gang, sondern mit der richtigen Portion Genuss zu erreichen. Die Radwege sind gepflegt, die Vegetation bunt wie ein Aperol Spritz und die Küstenstädte? Charmant wie ein alter Freund, der immer eine gute Geschichte auf Lager hat.

Gesamt Fazit der Etappen eins bis neun: Nach gut zweieinhalb Monaten gäbe es viel zu resümieren, ich habe mich aber für eine einfache Highlight- und Lowlight-Auflistung entschieden (je drei Eindrücke in jeder Kategorie). Nicht zu kompliziert, einfach die Punkte kurz erwähnt, die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Hier sind sie:


Highlights

  • Fahrradrouten: Via Verde della Costa dei Trabocchi an der Adria, Küstenstrasse von Messina nach Palermo in Sizilien und Riviera dei Fiori an der ligurischen Küste
  • Kulinarik: Meersfrüchte und Fisch entlang der gesamten Route, Street Food auf dem Mercato Ballarò in Palermo und Bistecca Fiorentina in Florenz
  • Unterkunft: Palazzo di Città in Piacenza, Antico Palazzo Riario Sforza in Napoli und Hotel Excelsior in Rapallo

Lowlights

Schnellstrassen und dunkle Tunnels, streunende Hunde und gesperrte oder nicht mehr intakte Fahrradrouten.

Epilog des Genuss-Radler-Abenteuers Grand Tour Italia: Wenn ich zurückblicke, merke ich, dass jede Kilometereinheit, jeder Stopp für Pasta oder Meeresfrüchte, und jeder kleine Irrweg und Umweg durch Sumpfgebiete, gesperrte Strassen oder die Gassen der Grossstädte wie Würze in einer grossen Pfanne der Erinnerung sind. Die Grand Tour Italia war nicht nur eine Reise durch Landschaften, sondern eine Expedition, bei der der Geschmack die Strassenseite küsst und das Lachen die Begleitmusik ist. Bis zur nächsten Abenteuerfahrt – ich schnalle schon die nächste Portion Humor an die Speichen.

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