Saison April - November

Jura-Seeland
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Jura-Seeland

Der Sommer 2026 ist so heiss, dass selbst der Asphalt vermutlich nur noch in Zeitlupe atmet. Also haben wir ganz clever nicht etwa Abkühlung in warmen Gewässern gesucht, sondern sind mal wieder in unserer schönen Schweiz in die Höhe gefahren. Startpunkt war Delémont, Kantonshauptstadt im Jura. Der jüngste Kanton der Schweiz erinnerte uns in seiner Geschichte daran, dass der Jura ist nicht nur hügelig, sondern auch politisch bewegt gewesen ist. Von „harmlosen“ Schmierereien bis hin zu Sprengstoffanschlägen. Kurz gesagt: Diese Region kommt nicht nur mit Landschaft, sondern auch mit Drama im Gepäck.

Dann ging’s los: Richtung La Chaux-de-Fonds. Der Anstieg hat uns das erste Mal richtig höflich angegriffen, also so, wie Berge halt sind: ohne Vorwarnung. Fast tausend Höhenmeter später standen wir auf einem Hochplateau im Jura, wo Wald, Weiden und kleine Bächlein so taten, als hätten sie die ganze Zeit auf uns gewartet um etwas Abkühlung zu spenden. La Chaux-de-Fonds selbst ist übrigens nicht nur hübsch, sondern auch Uhren-Stadt. Mit Schachbrett-Logik, UNESCO-Würdestatus (1993, „Watchmaking and the Timekeeping Industry“) und Altstadt-Charme, der sich sofort finden lässt, weil das Ganze so geordnet ist, dass man sich gar nicht verlaufen kann.

Und wie es eine alte Genuss-Radler-Weisheit besagt: Wo es rauf geht, geht’s auch wieder runter. Am nächsten Morgen nochmals kurz „Anlauf nehmen“ für den Aussichtspunkt „Vue des Alpes“ mit zweitem Kaffee und Nussgipfel, weil Leistung ja immer belohnt werden muss. Danach kam dann die Abfahrt: bombastisch schön durch Weinberge Richtung Yverdon-les-Bains. Dabei fühlten wir uns kurz wie die Rennradhelden der soeben zu Ende gegangenen Tour de France.

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In Yverdon-les-Bains erwartete uns ein Thermalbad-Grandhotel, das sichtbar schon bessere Tage gesehen hatte. Aktuell wird es renoviert. Aber die offenen Aussenbecken waren immerhin ein akzeptabler Deal: Wasser rein, Kopf aus, Beine… na ja, Beine wurden zumindest für 20 Minuten vergessen. Später war Sonntag: Hotelrestaurant quasi geschlossen, also ab ins Dörfchen. Wir fanden ein Lokal und das war genau die Sorte „einfach, aber richtig gut“, die man sonst nur in Bewertungs-Apps findet, die heimlich für unsere Zufriedenheit arbeiten.

Kulinarisch war die Tour ein echter Kontrastprogramm zum Piemont. Westschweiz vs. Norditalien da gibt’s geschmacklich Welten. Highlights? Frisch gebackener Käsekuchen in La Chaux-de-Fonds und in Yverdon eine Foie-Gras-Vorspeise. Und weil man quasi permanent in einer Weinregion herum radelt, durfte auch das Trinken nicht fehlen. Typisch: Chasselas für Weiss und für Rot Gamay, Merlot oder Cabernet Sauvignon.

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Die letzte Etappe führte dann entlang des Neuenburger- und Bieler-Sees. Endlich konnte man die Landschaft nicht nur geniessen, sondern auch permanent im Blick behalten, weil die Velo-Trasse erhöht genug war, um das Seeland wie einen schönen Bildschirmhintergrundbild laufen zu lassen. Und natürlich war das ein Heimspiel für den Tourguide, der die ersten 25 Jahre in Biel verbracht hat. Biel selbst wird meiner Meinung nach sowieso unterschätzt: malerische Altstadt, eine unverbaute See-Promenade, gelebte Zweisprachigkeit und ja klar die Uhren-Industrie mit Swatch, Produktionshallen von Rolex und Marken wie Omega, Tissot, Mido usw. Kurz: Biel ist die Stadt, die so tut, als wäre sie klein und dann kommt die Uhrmacherei und sagt: „Nee, wir sind richtig gross.“

Fazit: Eine wunderschöne Abwechslung zum Piemont. Mit Nostalgie, tollem Landschaftsmix, niedlichen Stadtkernen und wirklich exzellentem französischem Essen.

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