Saison April - November

Val Bognanco
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Val Bognanco

Wenn das Thermometer so tut, als wäre es ein persönlicher Endboss und plötzlich über 30 Grad klettert, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man wird zur menschlichen Wassermelone oder man macht das, was Vernünftige tun—man nimmt sein E-Bike und flüchtet ins Gebirge. Ganz nach dem Motto: Hitzetage? Nein danke. Berge? Ja bitte.

Zuerst hätten wir ja Richtung „Terme Premia“ fahren können, dem Thermalbad im Val Antigorio. Aber ganz ehrlich: Bei dieser Hitze in warmes Wasser zu steigen, ist ungefähr so, als würde man freiwillig in eine Sauna ziehen, weil man das Wort „Erholung“ irgendwo gelesen hat. Also: auf die andere Seite, ein anderes Abenteuer - Val Bognanco. Ziel: Rifugio San Bernardo, eine Berghütte auf 1'650 Metern, inklusive Restaurationsbetrieb. Denn was nützt ein Abenteuer, wenn man oben nicht auch irgendwas Kaltes oder Gutes finden kann—am besten beides. Und weil die Tour hin und zurück geht (ca. 40 km, rund 1’400 Höhenmeter), haben wir auf die Option „14 Schlafplätze“ verzichtet.

Start in Domodossola. Und schon hinter dem Stadtspital San Baggio beginnt es richtig steil. Aber hey: Das 45er-E-Bike hatte noch Saft bis an den Rand. Das ist wichtig, denn beim ersten Anstieg ist man nicht heroisch, man ist eher… bemüht. Deshalb: sofort in den Sport-Modus geschaltet. Die Strecke führt entlang des Flüsschens Bogna mit alten Steinbrücken, Wasserfällen und diesem ganzen „Hier könnte man romantisch werden“-Vibe.

Es ging weiter über Serpentinen nach San Lorenzo, wo wir unseren ersten Zwischenstopp machten: Cappuccino und Brioche. Das Leben ist schön, wenn man es sich gönnt. Und wenn es unterwegs eine Ladestation gibt, die genau im richtigen Moment auftaucht, dann ist das Universum freundlich. Neben dem Café gab’s nämlich eine öffentliche Ladestation. Nicht aus Prinzip—sondern aus Vorsicht. Man kann ja nie wissen, wie viele Höhenmeter der Akku noch „Feel the Challenge“ aushält. Für Schweizer Radler ist dabei wichtig: Adapter nicht vergessen, sonst steht man oben entweder mit leeren Händen oder mit leerem Stolz da. Danach: weiter durch die kleinen Dörfer Boco und Vercengio. Schliesslich war das Refugio da. Und plötzlich war alles nicht mehr nur Anstrengung, sondern… irgendwie doch Abenteuer.

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Nach dem ersten Gipfelbier kam der kulinarische Teil, der bei einer solchen Tour sowieso das wahre Ziel ist. Ein klassisches kaltes Plättli mit regionalen Salumi e Formagi. Dazu eine leicht gekühlte Flasche Nebbiolo Superiore Prünent von der Cantine Garrone. Klingt nach Genussradeln. War auch Genussradeln. Frisch aufgeschnittene Fleisch- und Käseplatte, angenehme 21 Grad, also genau die Temperatur, die einem das Hirn wieder zurechtrückt. Unten war man noch ein Kandidat fürs Schmelzen. Oben war man wieder ein Mensch.

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Und dann ging’s zurück, bergab rasend Richtung Domo. „Rasend“ ist natürlich relativ. Was ich sicher sagen kann: Man ist erstaunlich schnell dabei, festzustellen, wie steil und lang der Weg wirklich war. Die gute Nachricht: Diesen Hitze-Sommer ohne schlechtes Gewissen mit dem E-Bike hochfahren, das ist nicht nur erlaubt, das ist fast schon eine ethische Entscheidung. Schliesslich will man ja nicht nur leiden, sonder das Ganze auch geniessen können und da gehört so eine Abfahrt einfach ins Wohlfühlprogramm. In Domo ging’s direkt zur Piazza Mercato für den Abschluss-Prosecco. Der Plan war: Ankommen, die Eindrücke Revue passieren lassen, das eigene Ego auffrischen („Ja, ich war wirklich da oben.“) und den Tag würdig enden lassen.

Fazit: Eine richtig schöne Kurztour im Sommer, ideal mit dem E-Bike, weil die Strecke zeitweise wirklich sehr steil ist. Unterwegs trifft man auf verlassene Zeitzeugen aus besseren Zeiten, wie die Terme di Bognanco, für die es immer wieder hochtrabende Pläne zur Wiederbelebung gibt. Unterm Strich: Genau der richtige Trip, um den Hitzetagen im Tal zu entkommen, die tolle Berglandschaft zu geniessen und beim einfachen Essen und Trinken nicht so zu tun, als wäre man aus Prinzip „zu cool fürs Geniessen“.

2 thoughts on “Val Bognanco

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